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Inspiration Ernährung bei Krebs

Aktualisiert: 16. Dez. 2022

Wie neben den Inhaltsstoffen auch die Beziehungsgestaltung zur Nahrung von großer gesundheitlicher Bedeutung werden kann!


In meinem vorangegangenen Artikel habe ich dargelegt, wie die Krebserkrankung nach einem Neuanfang verlangt. Wie kann dieser Neuanfang auf dem Gebiet der Ernährung aussehen? Viele Krebspatienten sind durch Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung ohnehin in Appetit und Hungergefühl eingeschränkt und können nicht mehr so weiter essen wie vorher. Seien es Übelkeit, Geschmacksveränderungen (meist metallischer Art) oder genereller Verlust der Hunger-Sättigungsregulation – diese Veränderungen zwingen die Patienten dazu, auch ihr Ernährungsverhalten und ihre Lebensmittelauswahl zu verändern.


Um nicht in einen Zustand der Mangelernährung – die sogenannte Tumorkachexie – zu fallen, sollte jedwede Einseitigkeit in der Ernährung nach Kräften vermieden werden. Einseitig zusammengestellte oder zubereitete Mahlzeiten, Tiefkühlkost und Fertigprodukte sollten nach Möglichkeit durch frische und schonend zubereitete Gerichte ersetzt werden. Sollte es nicht möglich sein, größere Mahlzeiten zu sich zu nehmen, kann eine Mahlzeit auch auf zwei kleinere Mahlzeiten im 2-3 Stunden Abstand verteilt werden. Auch substanziell gehaltvolle Getränke können als Zwischenmahlzeit gut integriert werden. Insbesondere die gut geschüttelte biologische Buttermilch kann mit Ihrem leicht verdaulichen Eiweiß und der milden Säure gute aufbauende Lebenskräfte vermitteln. (Siehe Rezept Buttermilch-Getränk). Aber auch die mineralstoffreiche Zuckerrohrmelasse oder Gerstenmalz mit Zitronensaft und heißem Wasser aufgegossen wirkt aufbauend und stärkend.


„Der Mensch ist, was er isst.“ Ludwig Feuerbach


… wird an dieser Stelle gerne zitiert. Doch betrachten wir das Zitat genauer, dann müssten die Eskimos zu Fischen werden, wenn Sie hauptsächlich Fische essen. Und die Eulen müssten zu Mäusen werden, wenn Sie ausschließlich Mäuse verzehren. Demnach hat der Satz genau genommen keine Logik. Wir könnten in dem Zitat weiter interpretieren, dass wenn wir gesunde Lebensmittel zu uns nehmen, wir auch gesund bleiben. Auch diese Logik existiert im Leben leider nicht. Kann doch der Raucher mit hohem Fleischkonsum sehr alt werden und der Vegetarier mit hohem Gemüseverzehr und maßvollem Lebensstil deutlich früher sterben. Wir können also aus diesen logisch nachvollziehbaren Gründen konstatieren, dass neben der Materiellen Seite der Nahrung auch noch ein anderer individueller Faktor eine wichtige Rolle spielen muss.

Wir können uns die Frage stellen, wo in der Ernährung ein mehr innerer seelischer Neuanfang zu finden ist?


Diesen seelischen Neuanfang können wir in der Beziehungsgestaltung zur Nahrung suchen:


Das Was bedenke – mehr bedenke Wie!“ J.W.Goethe


Der Neunfang kann also im „Wie“ wir auf die Nahrung zugehen und aus welcher Perspektive heraus wir sie betrachten heraus entstehen. Heinz Grill fasst diesen Zusammenhang in folgende Worte:


„Der Mensch ist, wie er sich zur Nahrung in Beziehung setzt.“ Heinz Grill


Das „Wie“ können wir mit unserer Beziehungsfähigkeit zur Nahrung gleichsetzten. Stellen wir uns kurz vor, wir möchten die Gerste als das bei der Krebs-Kachexie sehr günstig aufbauend wirkende Barley-Water zubereiten. Wir können uns nun auf die rein materielle Seite der Nahrung – nämlich die optimalen Inhaltsstoffe des Lebensmittels und unseren Körper fixieren. Vielleicht können wir bei dieser Vorstellung schon eine gewisse Enge wahrnehmen. In das krankhafte gesteigerten ergibt diese Haltung das zwanghafte Essstörungsbild der Orthorexie: der Angst davor, etwas ungesundes zu Essen.

Das Gegenbild dazu – der mögliche Weg einer intensiveren seelischen Beziehung zum Lebensmittel - möchte in einer kleinen Übung demonstrieren:

Betrachten Sie die Gerste, wie Sie auf dem Feld im Endstadium der Reife wächst.



Stellen Sie sich vor, wie der Landwirt die Reifestadien der Gerste wahrnimmt, fachkundig begleitet und sie in einem letzten Schritt erntet. Wie die Gerste zu einer Mühle transportiert wird die diese reinigt, die Spelzblätter entfernt und sie damit erst verzehrfertig macht. Wie die Gerste dann weiter transportiert wird und über den Großhandel in den Einzelhandel zum Verkauf kommt. Erst jetzt kommen wir ins Spiel und kaufen die Gerste für unser Rezept vom Barley-Water.


Dieser Ernährungskreislauf ist die Voraussetzung, dass wir unsere täglichen Mahlzeiten einnehmen können. Wir sind in diesen Kreislauf eingebettet und werden von diesem mehrmals täglich auf angenehme Art & Weise „gerettet“.


Nehmen Sie nun für die eigentliche Übungsphase eine aufrechte Sitzpostion ein. Die Knie können im 90° Winkel abgewinkelt sein und die Fußsohlen plan am Boden aufliegen. Der Rücken ist aus dem Brustwirbelsäulenbereich dynamisch aufgerichtet bei gleichzeitiger Entspannung der Schultern. Nun stellen Sie für 1-5 Minuten die Vorstellung vom oben ausgeführten lebensrettenden Ernährungskreislauf vor Ihr Inneres Auge und betrachten es wie ein Gemälde. Wenn Sie abschweifen, kehren Sie einfach wieder zum Vorstellungsbild zurück. (Nach mehrmaligem Üben wird uns die Übung zunehmend leichter fallen.)


Anschließend lassen Sie die Übung auf unser Gefühlsleben nachklingen. Welche Empfindungen wirken aus dem Vorstellungsbild auf uns zurück? Eventuell können Sie Wärme, Harmonie, Weite und Dankbarkeit empfinden. Auch eine wirkliche innere Ruhe und Innerlichkeit bei gleichzeitiger Wachheit und Wahrnehmungsfähigkeit kann sich ergeben. Vielleicht fühlen Sie sich näher verbunden mit den Lebensmitteln und den damit arbeitenden Menschen? Der gesamte Erzeugerkreislauf kann uns wie ein großer Ernährungsorganismus erscheinen, von dessen Lebensspendender Hand unser tägliches Auskommen abhängt. Vielleicht können wir nun auch besser nachvollziehen, warum die alten Griechen diesen „lebendigen Ernährungskreislauf-Organismus“ als die Göttin Demeter huldigten. Jedenfalls bemerken wir eine größere Ordnung, in die wir eingebunden sind und die uns zu einer intensiveren Beziehungsaufnahme freudig entgegenkommt. (Es ist zu beachten, dass wir keine subjektiven Gefühle in das Vorstellungsbild hinein projizieren, sondern möglichst objektiv eine Empfindung aus dem Bild heraus strömend erhalten.)


„Wie ein Glied des Lebens können wir uns fühlen…“ Rudolf Steiner


Indem dieses Bild einer mehr seelischen Logik folgt, können bei täglicher regelmäßiger Pflege dieser Vorstellung neue harmonische Lebenskräfte entfaltete werden, die auch die körperliche Kondition verbessern und aufbauen. Diese seelische Betrachtungsweise kann für uns wie ein Neuanfang empfunden werden. Den Blick weit in die feinen und geheimnisvollen Zusammenhänge der Ernährung schweifen zu lassen und für diese Momente den eigenen Körper und seine Bedürftigkeit zu vergessen, kann wie ein „sterben“ und „neu auferstehen“ oder „neu anfangen“ empfunden werden. Dieses „neu anfangen“ bahnt eine zunächst noch allgemein gehaltene, intensivere und tiefere Verbindung zur Nahrung. Eine weiterführende Ausarbeitung über die Gerste und die Lebenskräfte finden Sie in einem folgenden Artikel.


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