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Lebenskräfte im Brot

Aktualisiert: vor 1 Tag


Brotqualität selbstständig beurteilen lernen


Das Brot ist ein außerordentlich komplexes und stark kulturell geprägtes Lebensmittel. Mit dem Beruf des Bäckers gibt es sogar einen eigens für die Brotbereitung geschaffenen Beruf. Dieser kreiert mit seinem handwerkliches Fachwissen Brote unterschiedlicher Qualität, Größe, Farbe und Form. Weiter hin haben maßgeblich die Qualität von Getreide, Wasser,, Triebmittel und weitere Beigaben – wie z.B. Nüsse, Samen, Gewürze, Kräuter etc. - einen Einfluss auf die Brotqualität. Ein qualitativ gutes Brot kann ein wahres Heilmittel für Geist, Seele und Körper des Menschen werden. Ein qualitativ minderwertiges Brot belastet eher und kann über die Jahre negative Auswirkungen auf Verdauungssystem, Immunsystem und Gesundheit haben. Grundsätzlich sollte das Brot – so wie alle Speisen – uns mit guten Lebenskräften versorgen.


Doch was sind Lebenskräfte?

Die Lebenskräfte können wir mit unsren Augen nicht sehen. Betrachten wir die Bewegungen eines Armes, so können wir das Lösen und Binden der Muskelsarkomere beobachten, wir können verschiedene Enzymreaktionen beobachten die Energie bereitstellen. Aber das Leben selbst können wir nicht sehen oder messen. Wer führt und koordiniert diese Aktionen im menschlichen Körper? Stellt der Biochemiker diese Vorgänge im Labor nach, so setzt er selbst diese in Gang und beobachtet diese. Es muss also im menschlichen Körper ebenso eine Instanz geben, die die Vorgänge des Lebens führt und koordiniert. Aus diesen logischen Gründen können wir also annehmen, dass dieses Führen und Koordinieren in unserem Körper durch die unsichtbaren (=imponderable) Lebenskräfte vollbracht wird.

Der Anthroposophie Rudolf Steiners 1 ist es zu verdanken, dass die spirituelle Disziplin der Lebenskräfteforschung zum ersten Mal eine wissenschaftliche Grundlage erhielt, mit der diese faszinierenden Phänomene näher beobachtet und erkannt werden können. Er bezeichnete die Lebenskräfte als sogenannte Ätherkräfte, die sich nochmals in vier weitere Ätherarten gliedern. Diese sogenannten Äther gestalten die sichtbaren Erscheinungen von Pflanzen, Tieren und Menschen, sind in dieser lebensspendenden Tätigkeit aber nicht von der irdischen Materie abhängig, sondern sind als Sonnenkräfte zu betrachten2, die – ähnlich den kosmischen Sonnenstrahlen – alle irdischen Lebensvorgänge führen und koordinieren. 

Nachdem die Ätherkräfte mit den Sinnen und anderen aktuellen Messmethoden der Naturwissenschaft nicht wahrzunehmen sind, müssen die ebenso unsichtbaren Wahrnehmungsorgane hierfür vom Menschen durch individuelle Schulung erst ausgebildet werden.3 (siehe auch letzter Abschnitt)


Hefe- und Milchsäuregärung – Wirkung auf die Lebenskräfte

Nun sind diese Ätherkräfte auch in den Lebensmitteln und in besonders wertvoller Art auch im qualitativ hochwertigen Brot angelegt.

Schließlich erfreut sich der Ätherleib auch an den zugeführten Nahrungsmitteln, wenn er ihren reifen Wärmegehalt, lichtexponierten Charakter und ihre sorgfältige dynamische Zubereitung aufnimmt, die der Koch in sie hineingelegt hat. Der Ätherleib nimmt die Stoffe nicht nach äußeren Kriterien auf, sondern rezeptiert die feineren Entitäten, die mit diesen verbunden sind, und führt sie in seine eigene formplastizierende und gestaltbildende Tätigkeit hinein.“4

Es ist insbesondere Rudolf Steiner und Heinz Grill zu verdanken, dass der Einfluss der Gärmethode auf die günstige Entfaltung der Lebenskräfte im Brot genauer in die Aufmerksamkeit gerückt ist. Grundlegend gibt es die alkoholische Gärung durch Hefen im Hefeteig und die Milchsäuregärung durch Milchsäurebakterien im Sauerteig und Backfermentteig. Wird backfähiges Mehl mit Wasser vermischt, beginnen die im Getreide vorliegenden Enzyme Teile der Kohlenhydrate in Einfachzucker umzuwandeln. Diese Einfachzucker sind die Voraussetzung für den Gärprozess. Sie

Milchsäuregärung Hauptteig
Milchsäuregärung Hauptteig

dienen den Hefen oder den Milchsäurebakterien als Nährstoff für ihre Gas- und Aromabildung und ermöglicht damit erst das Aufgehen des Teiges. Allerdings entstehen bei Hefegärung im Vergleich zur Milchsäuregärung zwei völlig entgegen gesetzte Lebenskräftewirkungen und damit auch Brotqualitäten. Die Milchsäuregärung benötigt mit ca. 12-15h eine deutlich längere Teigführung bei ca. 26°C Umgebungstemperatur (z.B. Ofenlampe im Backofen bei geschlossener Tür). Die Milchsäurebakterien bewirken in dieser Zeit nicht nur die Gasbildung, sondern die von Ihnen erzeugte Milchsäure baut die „Naturegozentrik“ der Getreide eigenen Eiweiße ab. Durch dieses abbauen, lockern und denaturieren des rohen Getreideeiweißes kann die Milchsäure eine Art neues dem jeweiligen Brot spezifisches Eiweiß

Milchsäuregärung Endgare
Milchsäuregärung Endgare

aufbauen. Diese Verwandlung vom rohen Getreide Eiweiß zum neu geformten Broteiweiß vollführen mit Hilfe der Milchsäure lichtvollen Ätherkräfte (Lichtätherkräfte). Das Brot erstrahlt regelrecht in einer neuen Form. Ausdehnung im Eiweiß-Klebergerüst des Teiges auf der einen Seite und Zentrierung durch das Ergreifen und Verwandeln der Eiweiß-Materie auf der anderen Seite zeigen das dynamische Eingreifen der Ätherkräfte – insbesondere des Wärmeäthers - in Bewegung und Gegenbewegung an.6 Dieses Kräftewirken hinterlässt im Brot Ruhe, Zentrierung und edle Formkräfte, die insbesondere auf das Verdauungssystem und auf das Immunsystem sehr aufbauend und harmonisierend wirken.


Bei der weit verbreiteten Bäcker-Hefe hingegen können wir – bei entsprechender Schulung – ein anderes Kräftewirken identifizieren. Sie kann bei fachgerechtem Backen ebenso zu zunächst gut wirkenden Backergebnissen führen. Die deutliche schnellere Gare von wenigen Stunden scheint ein großer Vorteil in Backindustrie und Bäckereihandwerk zu sein. Auch die Hefen wandeln – ähnlich wie die Milchsäurebakterien – während des Gärprozesses die Einfachzucker in CO2 um. Allerdings entsteht hier nun nicht die lichtvoll verwandelnde Milchsäure, sondern Alkohol. Dieser ist nun nicht in der Lage, das Eiweiß auf eine neue Formstufe zu verwandeln, sondern er verbleibt wie eine Art toter Stoff im Brot und verpufft mit der Hitze des Backprozesses. Obwohl der Hefeteig sich gut ausdehnt, so fehlt ihm die Verankerung in der Tiefe der Eiweißsubstanz. „Es fehlt diesen Teig tatsächlich eine wirkliche Grundlage, das Getreide wirkt im wahrsten Sinne des Wortes wie aufgebläht, es kann aber nicht in eine weiteres Stufe der konkreten Veredelung geführt werden. Aus ätherisches Sicht fehlt die tatsächliche komplementäre Ergänzung. Die Kraft des Äthers kann sich in einem Hefebrot nicht ausreichend neu bilden… Die eigentlich günstigen Licht- & Wärmekräfte, die durch die Milchsäuregärung in das Brot neu hineinfinden, bleiben wie zurückgewiesen.“7

Durch die fehlende Gegenbewegung im Sinne der Rückzentrierung verliert sich die Ätherkraft und dem Brot fehlt die heilsame Ruhe und Zentrierung. Wie lassen sich diese Ausführen nun selbstständig erkunden und verifizieren?


Meditative Übung zur Erkenntnis der Ätherkräfte

Voraussetzung für das wahrnehmen der Ätherkräfte ist ein Objektivierungsprozess. In diesem muss das Objekt der Betrachtung – in unserem Fall das Brot – so umfassend wie möglich in die Mitte der Aufmerksamkeit gestellt werden. Die eigenen Bedürfnisse, die gewohnten Gefühle von Sympathie und Antipathie müssen bewusst willentlich zum Schweigen gebracht werden. Für die Momente der Übung hat nichts anderes eine Bedeutung als das in wacher, freier, freudiger Erwartung sich entfaltende Spiel der faszinierenden Ätherformkräfte.

Machen Sie sich zunächst vorbereitend bewusst, dass die Ätherkräfte unsichtbare Sonnenkräfte sind. Sie sind mit den Augen nicht wahrnehmbar. Aber dennoch schaffen Sie das sichtbare Ergebnis: die Erscheinung des Brotes. Deshalb betrachten Sie zunächst so genau wie möglich das Brot als Leib oder auch eine Brotscheibe:

  • Welche Form hat es?

  • Welche Farbe hat es?

  • Welche Struktur hat die Krume (die Luftbläschen in der Brotscheibe)? → Gibt es Risse oder Unregelmäßigkeiten? Zerbricht das Brot beim Schneiden und kann seine Form nicht behalten?


Hefebrot und Milchsäurebrot - welches Brot ist welches?
Hefebrot und Milchsäurebrot - welches Brot wirkt ruhiger in der Betrachtungsrückschau?

Prägen Sie sich die Erscheinung von Leib oder Brotscheibe möglichst gut ein. Nehmen Sie nun eine aufrechte Sitzposition ein (Stuhl oder Meditationssitz). Entspannen Sie Schultern und Gesichtskreis. Lassen Sie die Atmung für ein paar Atemzüge frei und bewusst an den Nasenflügeln vorbeifließen. Bauen Sie nun das Bild vom Brot vor Ihrem inneren Auge so genau wie möglich wieder auf. Lassen Sie diese Bild ganz frei vor sich schweben und betrachten es, wie Sie ein Gemälde betrachten würden. Nehmen Sie nun noch die Frage hinzu: Entsteht aus dem Bild eine angenehme, das Gemüt kühlende Ruhe? Oder entsteht eher eine sich dem inneren Blick entziehende Unruhe?

Lassen Sie diese Frage nach Ruhe oder Unruhe für ein paar Minuten aus dem Bild heraus objektiv auf sich wirken. Wiederholen Sie die Übung möglichst zwei bis drei Mal pro Tag über drei Tage hinweg. Mit der Wiederholung der Übung werden Sie im Umgang mit den Wahrnehmungen sicherer werden. Denn wir sind es gewohnt, die Gefühle der subjektiven eigenen Welt zuzuordnen. Diese sogenannten Emotionen der Sympathie und Antipathie steigen aus dem Körper auf ins Bewusstsein und steuern uns damit aus der bisherigen Gewohnheit heraus. Sie wirken von Unten nach Oben. In der Übung aktivieren wir aber nun einen entgegengesetzten Prozess: indem wir nicht aus der Gewohnheit heraus beobachten, sondern mit höchstem Interesse und sonnenhaften Ohren auf dasjenige lauschen, was sich aus dem tatsächlichen Objekt heraus aussprechen will, werden unsere Empfindungen von Antipathie und Sympathie zu objektiven Werkzeugen unseres Bewusstseins. Wir betreten damit dass Feld der wissenschaftlichen Spiritualität. Denn wenn zwei oder mehr Personen eine Brotscheiben objektiv betrachten, und diese Betrachtung gut gelingt, so werden alle zu dem gleichen Ergebnis kommen. Allein die ziehende Unruhe des Körpers, der Gewohnheit oder der Vergangenheit können uns in diesem Prozess hinein spucken. Deshalb braucht diese Übungspraxis Zeit und Geduld, wie auch persönliche Schulung. Rudolf Steiner und Heinz Grill können dazu wertvolle Inspiration geben3 & 8.


Quellenangaben & gleichzeitig vertiefende Literatur

1 Rudolf Steiner – www.anthrowiki.at/Äther

2 Heinz Grill, Das Wesensgeheimnis der Seele, B.S.100ff

3 Rudolf Steiner – Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?

4 Heinz Grill, Das Wesensgeheimnis der Seele, B.S.102

5 Heinz Grill & Monika Lepold, Die Milchsäure und ihre Bedeutung für die Gesundheit, B.S. 21: Die heterofermentativen Milchsäurebakterien bewirken die Gasbildung und damit die Triebwirkung, während die anderen Milchsäurebakterien Stämme Aromastoffe bilden wie auch verwandelnd auf Kohlenhydrate und Eiweiße einwirken.

6 Heinz Grill, Ernährung und die gebende Kraft des Menschen, B.S.46: Ausdehnen bis in die kosmischen Weiten wie auch Zusammenziehen oder Zentrieren in die materielle Substanz sind die beiden Wirkrichtungen des Wärmeäthers.

7 Heinz Grill, Die Milchsäure und ihre Bedeutung für die Gesundheit, B.S. 11

8 Heinz Grill, Übungen für die Seele

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